Ursachen
Psychoanalytische gesehen trägt jeder Mensch durch den Destruktionstrieb die Quelle von Gewalt in sich. Wie aber kommt es, dass einige Menschen Gewalt ausüben und andere weniger? Und warum passiert dies insbesondere so häufig durch Eltern an ihren Kindern?
Am Instanzenmodell lässt sich dies insofern erklären, dass das „Ich“ bei diesen Menschen zu schwach ist. Bei ihnen kann auch das „Über Ich“ so schwach ausgeprägt sein, dass er hauptsächlich durch das „Es“, seine Triebe gesteuert wird und so kein „Gewissen“ in Gewaltsituationen hat, dass ihn davon abhalten würde gewalttätig zu werden. Im Gegensatz dazu kann es aber auch sein, dass das „Über Ich“ sehr stark ausgeprägt ist und entweder Werte und Normen enthält, die Gewalt akzeptieren oder befürworten, oder bestimmte Triebe so unterbinden, dass sie in Form von Gewalt auf die Kinder „verschoben“ werden.
Bei der Frage nach den Ursachen von innerfamiliärer Gewalt steht also immer im Hintergrund wie es zu einer solchen Ausprägung der Instanzen in der gewalttätigen Person kommen kann. Zu dieser Frage gibt es drei wesentliche Erklärungsmodelle, an denen dieses gut erkennbar ist.
Zum einen gibt es das psychopathologische Erklärungsmodell, vom Begriff her ähnlich der bereits bekannten „Symptomtradition“. Dieses erklärt, dass Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend Gewalt durch ihre Erzieher ausgesetzt waren, häufiger dazu neigen später als Eltern ihren eigenen Kindern ähnliche Gewalt anzutun. Durch die Gewalt werden Gefühle der Wut verdrängt, die nicht gezeigt werden können. Diese Eltern sind meist auch der Meinung, dass die selber erlebte Gewalt ihnen nicht geschadet hat. Diese Einstellung kommt durch Verdrängung von Gefühlen gegen die Eltern zustande, auf die ich später noch zurückkommen werde. Dieses Modell trifft allerdings nur auf etwa 30% der misshandelnden Eltern zu
Auch gibt es das soziologische Erklärungsmodell, welches besagt, das im sozialen Umfeld der Erziehungsberechtigen entweder Gewalt gebilligt wird oder Probleme wie Arbeitslosigkeit oder mangelnde Hilfestellungen der Gesellschaft zur Gewalt in der familie führen können. (Engfer, 1995).Bei der Akzeptanz von Gewalt in der Gesellschaft kommt es nun bei dem einzelnen oft zur Ausprägung eines ebenfalls Gewalt akzeptierenden Über-Ichs, dem sogenannten „Kriminellen Über-Ich“
Allerdings muss hierzu gesagt werden, dass in der Gesellschaft die Billigung von Gewalt eher rückläufig ist und dieses Modell deswegen mehr auf frühere Zeiten anwendbar ist. Heutzutage ist dieses Erklärungsmodell also mehr auf Subkulturen wie bestimmte Stadtviertel anwendbar. Weitere Aspekte die diese These beinhaltet sind Gründe aus dem Umfeld, wie beispielsweise Partnerschaftskonflikte
Als drittes gibt es das sozial-soziologische Erklärungsmodell. Dieses versucht bestimmte Aspekte des Kindes und dessen Interaktion mit seinen Eltern als Erklärung für die vorliegenden Handlungen zu sehen. Dieses Modell zeigt also Gründe für die Gewalt im Verhalten des Kindes auf, ohne es dabei als schuldig oder verantwortlich für die Gewalt zu erklären. So kann zum Beispiel die Behinderung eines Kindes, Verhaltensauffälligkeiten oder sein Temperament Gewalt begünstigen. Es muss dazu gesagt werden, dass die zu diesem Modell von Engfer durchgeführten Studien keine einheitlichen Ergebnisse erbrachten. Kritisch betrachtet muss ebenso gesagt werden, dass Verhalten das aus Bestrafung oder Vernachlässigung durch die Eltern hervorgerufen wird wohl häufiger für weitere Misshandlungen ausschlaggebend sein wird.
Die angewandte Gewalt im Kleinkinderalter hilft kurzfristig tatsächlich deren Verhalten zu ändern, welches aber nur kurzzeitig anhält und später eher zu negativem Verhalten gegen die Eltern führt. Auf dieses folgt dann später immer härter werdende Strafe durch die Eltern.
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